23. mai 2010

“im sommer 1970 vor nun beinahe vierzig jahren wurde die fünfte langspielplatte von creedence clearwater revival veröffentlicht. “cosmo’s factory” hieß das werk und war eine knappe dreiviertel stunde lang. aus den boxen schallte einst puristischer swamp-rock, der von country über rock ‘n’ roll bis blues beinahe alles vermengte, was die amerikanische musikgeschichte bis dato hervorgebracht hatte. alle sechs eigenkompositionen, welche eine spielzeit von drei minuten nicht erheblich überschritten, schafften entweder platz zwei oder vier in den amerikanischen single charts. darunter das elegische “long as i can see the light”, das in beispielhafter weise die schiere brillianz von sänger und songwriter john fogerty offenbarte. beinhahe folgerichtig landete die platte in den billboard charts ganz vorne und bescherte der band damit ihren größten coup. zu den singles komponierte john fogerty den tollen, sieben minuten langen opener “ramble tamble”, das einzige lied des albums, das regelmäßig nicht auf den üblichen best-of zusammenstellungen untergebracht wird. außerdem coverten ccr “before you accuse me”, “my baby left me” und spielten eine ausgezeichnete 11-minütige version des marvin gaye klassikers “i heard it through the grapevine” ein. zwei jahre später, nach sieben genialen lps und 65 schnörkellosen stücken war dann schluss. “cosmo’s factory” aber blieb so ein fall für diese insel, auf die nur die großartigsten platten mitgenommen werden.”
28. februar 2010

“vermutlich wäre es ein bisschen vermessen, anzunehmen, man sei im stande, an dieser stelle große ausführungen zu johnny cash zu machen, welche mit berechtigung auch nur den geringsten anspruch auf originalität besitzen könnten. anlässlich der sechsten veröffentlichung in der „american recordings” reihe, die den namen “ain’t no grave” trägt und vorgestern posthum an cashs 78. geburtstag erschien, darf aber doch noch einmal auf das gesamtwerk des country-heroen aus arkansas verwiesen werden, das nun hoffentlich in dieser grundsoliden produktion seinen abschluss findet. zu viele künstler ereilte schon das schicksal, dass sie im herbst ihrer karriere furchtbar seicht produzierte werke ablieferten, die mit der dynamik und energie ihrer frühen platten nichts mehr zu tun hatten. mit rick rubin als produzent hatte cash sicherlich das hauptlos gezogen, setzte dieser doch wieder auf den minimalismus der anfangstage und schuf so mit cash seit 1993 eindrucksvolle werke. die aufnahmen zur aktuellen platte stammen wie die des vorgängers von einer session kurz vor cashs tod im jahr 2003. wieder stehen themen wie tod, hoffnung und erinnerung im mittelpunkt. “until we meet again” sind die finalen worte des letzten stückes “aloha ‘oe”. obwohl bestimmt noch weitere aufnahmen in rubins archiven liegen, wäre es schön, wenn nun enden würde, was 1954 bei sun records mit sam phillips begann. denn bisher ist die “american recordings” serie der sehr viel stilvollere umgang mit cashs künstlerischem nachlass, während andere labels leider mit best-of kompilationen, livekonzerten von ehedem und anderen raritäten um sich schmeißen, die in so einigen kellerräumen aufgefunden wurden.”
1. februar 2010

“mit der einführung der compact disc ist auch das phänomen des hidden tracks vermehrt aufgetreten, bietet der digitale tonträger doch verschiedenste möglichkeiten, ein lied oder etwas ähnliches zu verstecken. der beliebtesten methode haben sich auch die kings of leon auf ihrem ersten werk “young youth and manhood” bedient – nach einigen minuten stille schließt sich “talihina sky” an. da hidden tracks häufig einfach nur aus wirren geräuschgemischen oder nur wenigen akkorden bestehen, darf man sich freuen, dass der silberling in diesem fall zu guter schluss nicht mehr und nicht weniger als das kompositorische highlight der bereits zehn-jährigen bandgeschichte ausspuckt. in jenen tagen als der sound noch staubtrocken über den äther ging, haben die kings of leon den himmel über einer beschaulichen stadt in oklahoma besungen, deren einwohner ihr leben lang an ihrer scholle kleben. das bedauernswerte leben auf dem land sollte man sobald wie möglich hinter sich lassen, so der tenor. das im lied erwünschte fortkommen hat die band auch hinsichtlich ihrer musik verwirklicht und den klang der neuen aufnahmen verstärkt auf massentauglichkeit getrimmt. leider sind damit die lieder der frühphase ebenfalls beinahe gänzlich von den konzerten verschwunden. wenn man den song “talihina sky” hört, wünscht man sich schon die zeiten zurück, als die kings of leon noch als hauptband mit rauschebart und ziemlich zerschlissenen klamotten nach den features gespielt haben, ohne dass daraus gleich eine spektakuläre pr-kampagne gemacht wurde. gegen eine platte, durch die nochmals ein wenig “talihina”-staub weht, wäre nichts einzuwenden. aber da sich über geschmack ja bekanntlich nicht streiten lässt, bleibt es beim verweis auf einen außergewöhnlichen hidden track, der sowohl für fans der ersten stunde als auch für youtube-neuentdecker der letzten woche etwas sein könnte.”
24. januar 2010

“der hamburger gisbert zu knyphausen stürmte vor zwei jahren mit seiner ganz eigenen mischung aus melancholie und trotz die deutschen konzertsäle. vor 34 jahren haben es ac/dc mit derselben mixtur auch schon einmal probiert. zu ungewohnt ruhigen klängen singt bon scott, den man bei jedem wort schmunzeln zu sehen meint, einen großartigen text über einen ernüchterten kerl im besten alter. allein, fernab beständiger beziehungen, vom alkohol umspült, ohne aussicht auf besserung erkennt dieser die leere in seinem kopf. sich bewusst, dass das leben gewiss anders laufen könnte, triumphiert doch die unfähigkeit, einen neuanfang zu machen. es geht für ihn schlichtweg weiter per anhalter die straße des lebens hinunter – “ride on”. das möglicherweise famoseste blues-solo des jüngeren young-bruders angus unterstützt die zerrissenheit eines lebens, an dem bon scott nur vier jahre später selbst ersticken sollte. wem ein paar dur-akkorde eigentlich nicht reichen und ac/dc sowieso zu stumpf sind, dem entgeht nicht nur ein bitterschönes lied, sondern auch die chance, einen charismatischen sänger zu entdecken, der gewiss nicht bereut hat, die entscheidung für die weiterfahrt getroffen zu haben. das leben ist heutzutage bekanntermaßen noch komplizierter geworden, wimmelt es doch offenbar vor möglichkeiten an allen ecken und enden. wer kann sich da schon entscheiden? ich mich immerhin für “ride on”. es war, ist und wird mein lied der lieder bleiben.”
19. januar 2010

“rock ‘n’ roll wurde vor über 50 jahren gespielt, da hieß der interpret zum beispiel little richard. rock ‘n’ roll wurde auch vor 40 jahren gespielt. da hießen die bands dann mc5 oder the stooges. all diesen burschen hat man die drei akkorde abgenommen, weil sie imstande waren, sie authentisch zu zelebrieren. rock ‘n’ roll wird natürlich immer noch gespielt, aber die authentischen bands sind wiederum rar gesät. the jim jones revue spielen den rock ‘n’ roll so, wie er gespielt werden sollte: überdreht, übersteuert und übertrieben laut. dass man die fünf briten aber als legitime erben der großen rock ‘n’ roll urgesteine bezeichnen und von den unzähligen nachahmern unterscheiden muss, liegt an der originellen und begeisternden vortragsweise: so auf ihrem selbstbetitelten debüt-album von 2008, das in 48 stunden quasi live auf band gedroschen wurde, so auf der einzigen deutschland-tour im herbst desselben jahres in einer handvoll städten und auf der zuletzt erschienenen single-sammlung namens “here to save your soul”. dass die jim jones revue seit über einem jahr einen bogen um deutsche veranstaltungsräume macht, ist jammerschade. die nächste gelegenheit sollte in jedem fall beim schopfe ergriffen werden. ich habe mit vier der fünf herren am pinkelbecken gestanden und seid versichert: sie freuen sich definitiv über jeden, der abtanzen kommt. aber: gehörschutz nicht vergessen. kein scherz!”